Otto Roche

“(...) Politischer Bildung Respekt verschafft
Otto Roche, Schlesier aus Neiße, wohin sich Eichendorff zurückzog und starb, lernte das Großdeutsche Reich noch als Pimpf kennen. 1929 geboren, gilt er, wie die Zeitgenossen seines Jahrgangs auch, als unbelastet mit nationalsozialistischer Vergangenheit. Nach dem Studium der Germanistik und Geschichte in Leipzig, Erlangen und Köln tritt Otto Roche als Gymnasiallehrer in den Schuldienst ein. Am Carl-Duisberg-Gymnasium in Wuppertal ist er von 1956-1950 Pauker, wie er sich selbst gerne nennt, sorgt dafür, daß seine Kinder Deutsch und Geschichte lernen.
Nach dem Berliner Mauerbau 1961, der Otto Roche und einen Kreis Interessierter nach Berlin führt, wird der Grundstein für die Politische Runde gelegt, die sich seit den 60er Jahren herausbildet und zum festen Programm der Volkshochschule Wuppertal wird. Der bewährte Schulmann bringt seine Erfahrungen als ,,Pauker“ ein; die Politische Runde wird als echte Chance zum Lernen begriffen. Als Schulmann sorgt er dafür, daß die Themen, heißen sie nun Mauerbau, Kubakrise oder schlichtweg Spiegel-Lektüre, interessant und spannungsreich gestaltet werden. Das Geheimnis einer 30jährigen Volkshochschulrunde, deren Kontinuität nicht abreißt, weiß Otto Roche zu lüften. Zunächst Spannung: Die politischen Themen dürfen nicht abstrakt behandelt werden, sondern müssen zum Anschauungsunterricht werden, der Geschichte hautnah erleben läßt. Reisen an Ort und Stelle, die Einbeziehung der Teilnehmer in die Gestaltung der Runde durch Referate, Vorträge, Diskussionsveranstaltungen, das versierte Urteil von Fachreferenten, all das, was der Schulmann ,,Strukturlernen“ nennt. Es weist allseitige Zusammenhänge auf und macht dadurch erlebbar, daß nichts isoliert im Raum stehen bleibt. Sicher kamen die politischen 60er Jahre der Politischen Runde entgegen. 1968, auf dem Höhepunkt der Studentenrevolte, lud man sogar Studentenführer aus Berlin nach Wuppertal ein. An heißem Stoff für Diskussionen und Lemabende am Beispiel lebender Akteure der Geschichte hat es sicher nicht gefehlt.

Natürlich ging es für Otto Roche auch im Berufsleben weiter. 1950 wird er Direktor des Abendgymnasiums Wuppertal und gründet nach zehn Jahren der Erfahrungen des praktizierten zweiten Bildungsweges 1978 das Bergische Kolleg. Otto Roches Fachwissen, seine Kompetenz und nicht zuletzt seine politische Integrität machen es ihm immer wieder möglich, Gegensätze zusammenzuführen und gangbare, praktizierbare Lösungen ins Werk zu setzen. Er wird Dezernent beim Regierungspräsidenten in Düsseldorf und ist nunmehr betraut mit allen hoheitlichen Aufgaben, die die Schulaufsicht für die Schulen des zweiten Bildungsweges mit sich bringt.
Und natürlich wächst auch seine Politische Runde weiter, an Mitgliedern, an Jahren. Zu den Lokalthemen und Deutschlandansichten kommen nun die Weltpolitik, die Fernreisen und nicht zuletzt der Ruf, der politischen Bildung wieder mehr Respekt verschafft zu haben. (...)“
THOMAS ILLMAIER in:
Bergische Blätter, 16/1992, S. 9.

Otto Roche ist am 13. November 1999 verstorben.